Ausflug in die Geschichte: TÜV SÜD checkt Dampflok von 1908
Im Sommer erhielt die Abteilung Dampf- und Drucktechnik der TÜV SÜD Industrie Service in Nürnberg einen ganz besonderen Auftrag: Sie sollte die Einsatzbereitschaft der Krauss Dampflokomotive No. 5745, Baujahr 1908 prüfen. Kein Problem: Dampfkessel überprüfen gehörte zu den ersten Aufgaben des Technischen Überwachungsvereins.
Den ganzen Sommer lang wurde die kleine schwarze Lok mit dem großen Dampfkessel in der Museums-werkstatt repariert und dabei das 100-jährige Gefährt komplett in Einzelteile zerlegt. Wieder zusammen-gebaut überprüfte TÜV SÜD Industrie Service die Betriebsfähigkeit des Schienenfahrzeugs - mittels modernster Prüfmethoden, wie zum Beispiel Ultraschall und Videoskop. „Unser Videoskop ist vergleichbar mit dem, das Chirurgen benutzen, um menschliche Körper zu untersuchen. Die modernen Prüfmethoden eignen sich hervorragend für Antiquitäten dieser Art“, erläutert Dipl.-Ing. Markus Sander, Sachverständiger der Dampf- und Drucktechnik-Abteilung von TÜV SÜD Industrie Service.
Der Industrie Service von TÜV SÜD ist üblicherweise mit erstmaligen und wiederkehrenden Prüfungen von Dampf- und Heißwassererzeugern, Druckbehältern und Tankanlagen beschäftigt. Der ungewöhnliche Auftrag die alte Dampflok zu prüfen, kam vom Feldbahn-Museum 500 e.V. in Nürnberg, in dem die Lok zu Vorführzwecken wieder in Betrieb genommen werden soll. Feldbahnen waren mit Dampf betriebene Schienenfahrzeuge, die früher für die vielfältigen Transportaufgaben in Ziegeleien, Steinbrüchen, Torfwerken, Papierfabriken, Großgärtnereien sowie im Kohle-, Ton- und Erzbergbau eingesetzt wurden. Ihre Normspurweite betrug nach 1914 600 mm, selten 500 mm. Das Feldbahn-Museum 500 e. V. widmet sich ausschließlich dieser seltenen Spurweite.
Das Museum hat sich zum Ziel gemacht, die historische Technik lebendig zu vermitteln - aus diesem Grund wird ein Großteil der Sammlung im fahrbaren Zustand vorgeführt und erklärt. Auf dem weitläufigen Waldgrundstück werden so 82 unterschiedliche Lokomotiven präsentiert: dazu gehört zum Beispiel eine Benzollok aus den 20er Jahren, die vermutlich älteste lauffähige Feldbahnlok Bayerns, 16 Akkuloks und 44 Dieselloks. Dazu kommen 408 Wagen, zwei Kilometer verlegte Gleise, 25 Weichen sowie dazu gehörige Maschinen und Geräte.
Nach langjährigen Bemühungen war es dem Museum gelungen, die von dem namhaften Lokomotivbauer Krauss in Sendling bei München 1908 gebaute Dampflok zu erwerben. Die Lokomotive wurde an das damals führende Falzziegelwerk Carl Ludowici in Jockgrim verkauft und hatte zuletzt die Aufgabe Loren mit Ton und Lehm zu ziehen. „Das Feldbahn-Museum hat sich an uns gewendet, da das Überprüfen der Dampftechnik ja zu den ersten Aufgaben des TÜV SÜD gehörte“, erklärt Markus Sander. – Denn: Weil sich mit wachsender Zahl und zunehmender Größe der Dampfanlagen Mitte des 19. Jahrhunderts die Unfälle häuften, wurden überall in Deutschland „Vereine zur Prüfung und Überwachung der Dampfkessel“ gegründet.
Am 23. April 1870 schlossen sich 43 bayerische Dampfkesselbesitzer zum „Bayerischen Dampfkessel-Revisions-Verein“ zusammen, deren Aufgabe es war, die Betriebssicherheit der insgesamt 325 Kesselanlagen der Mitglieder durch regelmäßige technisch qualifizierte Inspektionen und Wartungen zu gewährleisten. Weil der Verein im Zuge der Industrialisierung und des voranschreitenden technischen Fortschritts weitere technische Prüfaufgaben übernahm, wurde schließlich der Name geändert in „Technischen Überwachungsverein SÜD“ – abgekürzt: TÜV SÜD.
Das Feldbahn-Museum in Nürnberg kann besichtigt werden, Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage des Museums.

