Biobrennstoffe in der Zellstoffindustrie
TÜV SÜD hat die Nachhaltigkeit eines Biobrennstoffs bei den sechs großen Zellstoffwerken Deutschlands zertifiziert.
(Februar 2011)
Bei der Zellstoffherstellung fällt als Nebenprodukt die so genannte Ablauge an. Industrieheizkraftwerke erzeugen daraus neben Wärme auch Strom. Zellstoffwerke, die Überschüsse ins öffentliche Netz einspeisen, können sich den Strom nach Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergüten lassen. Voraussetzung ist seit Januar 2011 eine Zertifizierung nach Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV). TÜV SÜD Industrie Service hat diese u. a. bei drei Standorten der Sappi Fine Paper Europe vergeben, des führenden europäischen Herstellers von gestrichenen Feinpapieren.
„Da im Gegensatz zu konventionellen Biobrennstoffen wie Palmöl und Rapsöl keine Erfahrungen für den Zertifizierungsprozess von Ablauge aus Zellstoffherstellung existierten, mussten wir den Prozess an die Vorgaben des Standards anpassen", sagt Igor Dormuth, Projektleiter Biokraftstoff-Zertifizierung bei TÜV SÜD Industrie Service. „Dazu haben wir analysiert, wo CO2 eingespart werden kann und ob die Nachhaltigkeitskriterien während des gesamten Prozesses eingehalten wurden." Die Zertifizierung umfasst neben einer Bewertung der Produktionsprozesse und Managementvorgaben auch die Verifizierung der Massenbilanzierung, Rückverfolgbarkeit sowie der verursachten CO2-Emissionen.
CO2-Einsparungen von über 90 Prozent
Gegenüber fossilen Energieträgern spart die Verstromung von Ablauge aus Zellstoffherstellung mindestens 90 Prozent an CO2-Emissionen ein. Weil Ablauge im Sinne der BioSt-NachV als Reststoff aus der Zellherstellung gilt und im Vorfeld keine Emissionen verursacht hat, ist ihre Klimabilanz optimal. Wesentlicher Bestandteil der Ablauge ist das nach der Zellstoffabtrennung zurückbleibende Lignin, das aus den pflanzlichen Geweben stammt. Der Einsatz fossiler Zusatzstoffe beläuft sich auf ein Minimum.
„Mit der Nachhaltigkeitszertifizierung von TÜV SÜD demonstrieren wir unsere Vorreiterrolle bei der klimaschonenden Produktion von hochwertigen Feinpapieren", sagt Burkhard Sauer, Leiter Energiemanagement bei der Sappi Stockstadt GmbH. „Aus dem Biobrennstoff Ablauge erzeugen wir über umweltfreundliche Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) erneuerbaren Strom und nutzen zugleich die anfallende Wärme in der Zellstoffproduktion." Mit Alfeld, Ehingen und Stockstadt haben alle deutschen Produktionsstätten von Sappi das Nachhaltigkeitszertifikat für die Stromeinspeisung erhalten.
Vorteile auf einen Blick |
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